December 11th, 2007

About Ladyfest MH

LADYFEST MÜLHEIM

Ladyfest Mülheim lives up to the spirit of the first ladyfest.
It will be a noncommercial, queer-feminist counterpart to the otherwise sometimes unpolitical events. Especially women, lesbians and transgender people, who are underrepresented in many fields, get the chance to share their know-ledge via workshops and presentations, to perform and to present their creative work, without fearing sexist, hetero-normative or binary gender judgement. Our Ladyfest is also open to people defined as male to question patriarchal and capitalistic structures, if they support the idea of ladyfest.
All workshops and discussions will be held in German. But some participants may be able to translate into English. Please contact us via email about any questions that might come up.


Das Ladyfest Mülheim orientiert sich an dem ursprünglichen Ladyfest-Gedanken und soll ein unkommerzielles, queerfeministisches Gegenstück zu oftmals un-politischen Veranstaltungen sein. Insbesondere die in vielen Bereichen unter-repräsentierten FrauenLesbenTransgender haben hier die Möglichkeit, fernab von heteronormativer, sexistischer und zwangs-zweigeschlechtlicher Wertung, ihr Wissen in Form von Workshops oder Vorträgen zu vermitteln und zu teilen sowie mit Bands aufzutreten, zu performen oder Kunst auszustellen. Da unser Ladyfest ‘offen’ ist, können auch männlich definierte Menschen, sofern sie die Ladyfest-Idee unterstützen, sich auf dem Ladyfest mit patriarchalen und kapitalistischen Strukturen auseinandersetzen.


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Hier ein Interview mit dem und über das Ladyfest Mülheim. (22.-25.5. 2008)

Wie und wann kam die Idee auf, dass Mülheim ein eigenes Ladyfest braucht?

Im Sommer 2005 gab es im AZ Mülheim für das Ladyfest Bielefeld eine Soliveranstaltung, welche von Einzelpersonen in Kooperation mit der Genderterror (queere Indie/Electro/Düster/Alternative/Punk/Pop- Perversenparty) durchgeführt wurde. Die Veranstaltung hieß demnach „Genderterror meets Ladyfest“. An diesem Abend fand zusätzlich zu der eigentlichen Genderterror-Party ein Konzert mit Stockholm, Hysteria, the F.A. und Störenfrieda statt. Nach dem ursprünglichen Gedanken von Ladyfest wurden auch hier Bands, überwiegend bestehend aus Musikerinnen, eingeladen. Zusätzlich gab es noch einen Vortrag zu „Mädchen und Frauen in Hardcore und Punk“, Künstler_innen stellten ihre Werke aus und in einem extra Raum liefen Filme zu queerfeministischen Themen. Durch den Spaß an der Vorbereitung/Durchführung und nicht zuletzt Erfolg der Veranstaltung kam dann die Idee auf, auch in Mülheim ein „richtiges“ Ladyfest zu organisieren.

Wie viele Personen sind an der Organisation beteiligt und wie sieht die Arbeit im Vorfeld aus?

Die Ladyfestorgagruppe traf sich zum ersten Mal Anfang 2007. Zu dem ersten offiziellen Treffen wurde per Flyer eingeladen und es kamen unterschiedlichste Menschen aus verschiedenen Ruhrgebietsstädten zu dem Plenum. Es begann ein langer Diskussionsprozess, der sich vor allem damit auseinandersetzte, an wen sich das Ladyfest richten soll, d.h. ob z.B. nur „weiblich definierte“ Menschen eingeladen werden sollen, oder „Frauen“ und transgender… Geeinigt wurde sich auf ein „offenes“ Ladyfest, wobei offen bedeutet, dass nicht nur Ladie_z (weiblich sozialisierte Menschen, wie z.B. „Frauen“ und FzM-Transgender) angesprochen werden, sondern auch gesellschaftlich definierte Männer eingeladen sind, die den Gedanken von Ladyfest unterstützen und/oder sich in diesem Rahmen kritisch und selbstreflexiv mit gesellschaftlich patriarchalen Strukturen, Machtverhältnissen… auseinandersetzen wollen. Desweiteren unterteilte sich das Gesamtplenum in mehrere AGs, welche ebenfalls „offen“ sind. Diese kümmern sich im Vorfeld zum Beispiel um Werbung, Soliveranstaltungen, Konzerte, Workshops oder die Infrastruktur des Ladyfests. Einmal im Monat findet nun ein Gesamtplenum statt, das allerdings nur aus Ladie_z besteht. Die Anzahl der beteiligten Personen variiert, zwischen 10 und 15…

Die Ladyfeste werden eigenständig und dezentral organisiert, von daher kann jedes Ladyfest seinen eigenen Schwerpunkt legen. Welchen Schwerpunkt habt ihr fokussiert?

Wir haben uns keinen konkreten Schwerpunkt gesetzt. Durch die Vielzahl/Vielfalt der Organisator_innen wird auch das Ladyfest unterschiedlichste Themenbereiche abdecken. Das spiegelt sich zum einen in der Bandauswahl wieder, die von Elektro über Punk/Hardcore bis hin zu Singer/Songwriter reicht. Aber auch die Themen, die in Workshops und Vorträgen angeboten werden, beziehen sich nicht nur auf ein Themenspektrum. So gibt es z.B. einen d.i.y. dildo/harness Bastelworkshop, einen Bewegungsworkshop, dann wiederum theoretisches zu Sprache und Geschlecht, queer-bdsm, critical whiteness oder eine Einführung in Linux. Das Ladyfest bietet einen Rahmen für all diejenigen, die Spaß daran haben, ihren persönlichen Interessensschwerpunkt mit anderen zu teilen. Das kann halt auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden. Dennoch haben wir schon auch darauf geachtet queerfeministische und gesellschaftskritische Inhalte zu vermitteln.

Treten beim Ladyfest Mülheim nur Bands/Künstlerinnen aus der Region auf? Falls ja, wie schwer ist es - bei den wenigen hiesigen Musikerinnen -, überhaupt ein komplettes Line-Up zustande zu bekommen?

Das endgültige Line-Up steht noch nicht fest. Bisher fest zugesagt haben Elle Bandita aus Rotterdam (http://www.ellebandita.com/), Miss Pain aus UK (http://oohmisspain.blogspot.com/),Nebl aus Neuss (http://www.myspace.com/nebl987), largact.ill aus Bremen sowie Rae Spoon aus Kanada (http://raespoon.com/). An der momentanen Auswahl der Bands lässt sich erkennen, dass bisher keine lokale Band dabei ist, was darauf zurückzuführen ist, dass es in der näheren Umgebung wenig uns bekannte Bands gibt, die hauptsächlich aus Musikerinnen bestehen…. Wir hätten sehr gerne auch regionale Musikerinnen dabei, also, falls ihr noch Tips habt!!

Das Ruhrgebiet hat per se eine sehr männliche Geschichte. Jahrzehntelang wurde die Region ausschließlich durch Männer geprägt, die in Kohlebergwerken und Stahlfabriken gearbeitet haben. Seht ihr das Ladyfest in diesem regionalen Kontext oder sind euch feministische, globalere Belange wichtiger?

Bei der Idee, ein Ladyfest in Mülheim zu organisieren, spielte der regionale Bezug zum Ruhrgebiet hinsichtlich einer männlichen Prägung z.B. durch Bergarbeiter, keine primäre Rolle, da aus unserer Sicht immer noch eine gesamtgesellschaftliche „Dominanz“ von Männlichkeit festzustellen ist. Diese beschränkt sich nicht nur auf bestimmte Regionen, sondern lässt sich u.a. auch in subkulturellen Kontexten wiederfinden. Konkret meint das, dass immer noch zu beobachten ist, dass gerade in RockHardcorePunk immer noch die meisten Veranstalter_innen von Konzerten männlich sind, dass meist nur männliche Musiker, auf der Bühne stehen (abgesehen von Sängerinnen und Bassspielerinnen, die ja doch schon häufiger zu sehen sind) und auch das Publikum eher männlich dominiert ist und Frauen dann oftmals an der Kasse oder hinter der Theke sitzen. Dies ist ein Aspekt, warum uns ein Ladyfest so wichtig ist: um Musiker_innen eine Plattform zu geben.

Was erwartet den Besucher beim ersten Ladyfest Mülheim?

Was sind eure Ziele, was wollt ihr mit dem Ladyfest erreichen?

(Wir haben die beiden Fragen jetzt mal zusammen beantwortet) Ein Aspekt für die Veranstaltung des Ladyfests ist, gängigen, oftmals unpolitischen Veranstaltungen, ein queerfeministisches Gegenstück zu bieten. Nachwievor wollen wir, wie bereits erwähnt, in bestimmten Bereichen unterrepräsentierten Frauen/Transgender die Möglichkeit geben, fernab von heteronormativer, sexistischer und zwangszweigeschlechtlicher Wertung, ihr Wissen in Form von Workshops oder Vorträgen zu vermitteln und zu teilen. In diesem Bereich erwartet die Besucher_innen bis jetzt ein Linuxbasicworkshop, mit anschließender Installationsparty, ein Vortrag zu queer-bdsm, Sprache und Geschlecht und critical whiteness. Besucher_innen haben die Möglichkeit aus Fahrradschläuchen und Silikon Umschnalldildos zu basteln oder sich mit Siebdruck auszuprobieren. Es wird einen Schlagzeug und Kletterworkshop geben, eine Diskussion zu FrauenLesbenTransgender-Veranstaltungen und da unser Ladyfest explizit „offen“ ist, haben männlich definierte Menschen, die den Gedanken von Ladyfest unterstützen, die Möglichkeit sich in einem Workshop mit der Inszenierung von Männlichkeit auseinanderzusetzen und auszutauschen. Desweiteren wird es eine Filmnacht geben, in der queerfeministische Produzent_innen ihre Filme vorstellen können.

Ihr habt bestimmt schon ein Ladyfest in einer anderen (deutschen) Stadt besucht. Was wird voraussichtlich das Besondere/Typische am Ladyfest Mülheim sein?

Das besondere wird zum einen sein, dass das Ladyfest Mülheim sehr zentral stattfinden wird, dass heißt, Konzerte, Parties, Workshops etc. werden alle an einem Ort, im AZ Mülheim, stattfinden. Bei anderen Ladyfesten verteilen die Locations sich schon mal über eine ganze Stadt, sodass die Besucher_innen kreuz und quer fahren/laufen müssen, um bestimmte Veranstaltungen zu besuchen. Zum anderen haben wir sehr viele Angebote aus unterschiedlichen Spektren und hoffen demnach auch, möglichst viele unterschiedliche Menschen anzusprechen. Darüber hinaus bieten wir auch Workshops an, die sich an die männlich definierten Besucher richten, was auch eine Besonderheit ist. Hinzu kommt, dass wir einen feministischen Gedanken um queere Aspekte erweitert haben.

Neben dem Ladyfest Mülheim gibt es noch das Ladyfest Ruhr. Wie steht ihr zu der Idee, zwei Ladyfeste in der Region zu etablieren? Schürt das eher die Konkurrenz oder ergänzt man sich gegenseitig? Steht ihr mit den Organisatorinnen vom Ladyfest Ruhr in Kontakt?

Konkurrenz kann es nur bei gleichartigen Veranstaltungen geben. Das sogenannte „Ladyfest Ruhr“ bedient sich zwar des Namens, hat aber schon allein wegen der kommerziellen Durchführung nicht viel mit der eigentlichen Idee eines Ladyfestes zu tun. Deshalb halten wir es für wichtig ein Ladyfest im Ruhrgebiet zu etablieren, das auch tatsächlich den Gedanken der riot grrrls, des d.i.y.-Prinzips, der Kapitalismuskritik und vor allem des Queer-Feminismus vertritt. Dabei sind wir dem Ladyfest Ruhr nicht feindlich gesinnt. Wir halten es nur für falsch eine emanzipatorische Bewegung wie das Ladyfest für kommerzielle Zwecke zu nutzen und damit politische Inhalte zwangsläufig aufzugeben, anstatt der Akkumulation des Kapitalismus entgegenzuwirken.